
Der Benediktiner Anselm Grün erinnert in einem kurzen Text an einen alten Osterbrauch:
„Es ist ein altes christliches Ritual, an Ostern sich die Augen mit Osterwasser zu waschen, gleichsam den Schleier, der auf den Augen liegt, wegzunehmen, um mit österlichen Augen die Welt anzuschauen. Mit österlichen Augen erkenne ich in jedem Mitmenschen Christus als den, der auferstanden ist und mitten unter uns ist.“
Das Bild von den österlichen Augen, kann ich auf ganz verschiedene Bereiche des Lebens anwenden:
Osteraugen – mit denen ich jeden Tag ein Stück Ostern, das neue Leben in der Natur erfahren darf
Osteraugen – die das Positive, die Stärken in den Menschen sehen, die mit mir zusammenleben
Osteraugen – die auch den Blick nicht vor dem Leid, und dem Schweren im Leben verschließen
Osteraugen – die den Blick weiten auf unsere Welt mit Krieg und Unfrieden
Dr. Klaus Hemmerle, der 1994 verstorbene Bischof von Aachen, hat dazu einen sehr passenden Osterwunsch formuliert:
Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Tod bis zum Leben sehen,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Heilung.
Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im ICH bis zum DU
zu sehen vermögen.
Was für ein wunderbarer Weitblick! Und was für ein Glück, wenn es Menschen gibt, die mit solchen Osteraugen sehen können.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen Osteraugen und wir Ihnen ein gesegnetes und hoffnungsvolles Osterfest.
Herzlich grüßen Sie die Erfurter Ursulinen.
