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Gedenktag der Heiligen Angela

    20.01.2026

    Zum Fest der hl. Angela, am 27. Januar, soll Sie wieder ein Gruß von uns erreichen. Wie ging es bei Angela weiter, wie kam es zur Gründung der „Gemeinschaft der hl. Ursula“? Davon versprach ich, in diesem Brief zu berichten.

    Seit der prophetischen Schau auf dem Feld sind fast vierzig Jahre vergangen. Angela hat viel erlebt und noch mehr gesehen und gehört. Vor allem seit sie in Brescia lebt, hat sie gesehen, wie Menschen leiblich und seelisch verwahrlosen. Angela sieht und hört, wie schwierig die Situation für viele Frauen ist. Sie hat selbst die Gefahren kennen gelernt, denen eine Frau ausgesetzt ist, die allein lebt, auch wenn sie ihr Leben Gott geweiht hat. Junge Frauen, die religiös leben wollen ohne zu heiraten oder in ein Kloster einzutreten – manchmal auch nicht eintreten können, weil die Mitgift fehlt -, haben keine Chance für ein selbstbestimmtes Leben. Diesen Frauen fehlt eine rechtlich verbindliche Lebensform, ein selbständiger dritter Weg als Alternative zu Ehe oder Klostermauer. So nimmt Angelas Vision Gestalt an und im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes handelt sie.

    Seit Anfang des Jahres 1532 lädt Angela immer wieder Frauen zu sich ein und gibt ihnen Anleitung zur Gestaltung ihres religiösen Lebens. Angela leitet ihre „Töchter“ behutsam und zielstrebig an, bis sie sicher ist, dass sie gemeinsam den nächsten Schritt tun können. Am 25. November 1535 ist es so weit. Achtundzwanzig junge Frauen nehmen gemeinsam mit Angela an einer Eucharistiefeier teil. Danach schreibt jede ihren Namen in ein Buch und erklärt damit, dass sie sich mit den anderen zu einer neuen Gemeinschaft zusammenschließen will. Sie nennen sich „Compagnia di Sant´Orsola“ – „Gemeinschaft der heiligen Ursula“, nach jener frühchristlichen Märtyrin, die als Patronin der Jugend verehrt wurde. An diesem 25. November 1535 ist Angela glücklich, weil die neue Gemeinschaft etwas ermöglicht, was bisher undenkbar war: Frauen können ein selbstbestimmtes, religiös ausgerichtetes Leben führen, im ganz normalen Alltag stehen, ihrer Berufsarbeit nachgehen und dennoch um Gottes Willen ehelos, arm und gehorsam leben. Es ist ein dritter Weg, ohne Unterordnung unter einen Ehemann und ohne Einengung durch Klostermauern.

    Als Angela Merici am 27. Januar 1540 stirbt, hatte die Compagnia di Sant’Orsola rund 150 Mitglieder. Kirche und Gesellschaft sind noch lange nicht reif für Angelas dritten Weg zwischen Ehe und Kloster. Nun fehlte der Gemeinschaft die charismatische Gründerin. Der Konflikt mit konservativen Kreisen in Kirche und Gesellschaft war vorauszusehen. Vor allem die selbständige Lebensweise von Frauen in der Welt wird angegriffen, und zwar sowohl von angesehenen Familien als auch von Ordensmännern und Priestern. Tatsächlich verlassen einige die Gemeinschaft und treten in ein traditionelles Kloster ein oder heiraten. Und nur wenige kommen hinzu, weil Brescianer Bürger ihren Töchtern verbieten, in die Compagnia einzutreten. Dadurch ist die junge Gemeinschaft schon kurz nach Angelas Tod in einer schweren Krise.

    Es kommt von bürgerlicher wie von kirchlicher Seite zur Kritik an der freien Lebensweise der Schwestern. In diesen Auseinandersetzungen wächst bei den Schwestern der Wunsch zur Umgestaltung der Gemeinschaften in einen monastischen Orden. Dabei spielt neben dem Bedürfnis nach öffentlicher Anerkennung auch der Zug jener Zeit nach Mystik und Verinnerlichung eine entscheidende Rolle. So wird im Verlauf der Geschichte die Gemeinschaft der Ursulinen ein monastisches Kloster mit strenger Klausur, ein Schulorden, dem die Mädchenbildung am Herzen liegt.

    Angela Merici war Seelsorgerin. Sie hat die Menschen gelehrt, mit Geist, Leib und Seele ganzheitlich Mensch zu werden und zu sein. Dies hat sie mit Worten getan, aber vor allem durch ihr eigenes authentisches Leben. Sie hat vorgelebt, dass jemand, der sich ganz Gott anvertraut, auch ganz Mensch wird. Darin war Angela unzeitgemäß und zugleich in ihrer Zeit notwendig, gerade für die suchenden Frauen. Ihr Lebenskonzept kann auch heute Menschen helfen, ihr Leben sinnvoll zu gestalten.

    Am 27. Januar 2026 feiern wir um 12 Uhr in unserer Klosterkirche Gottesdienst. Wir wollen dem Leben und Wirken unserer Ordensgründerin gedenken. Sie sind herzlich eingeladen.

    Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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